Chronik

Von der Gründung bis zum 100-jährigen Jubiläum
Die Chronik der DJK Adler 1910 Essen-Frintrop

Von Winfried Stöckmann

Die Suche nach den Wurzeln der nunmehr einhundert Jahre alten DJK Adler 1910 Essen-Frintrop wurde schon anlässlich früherer Jubiläen unternommen. Sie finden sich in der Chronik der Pfarrgemeinde St. Josef. Diese gibt darüber Auskunft, dass anno 1910 von Freunden der „marianischen Jünglings-Kongregation“ eine Turnabteilung gegründet wurde. Initiatoren waren Kaplan Dr. Josef Kahn und Rektor Pauly als Vorsitzender. Geturnt wurde im Saal der Gaststätte Vosskühler, ab 1912 in der Gaststätte Terboven (heute „Stammhaus“). Bald schon wurden im Schlagball und Faustball auch Wettkämpfe ausgetragen, aber der erste Weltkrieg (1914 – 1918) brachte die Aktivitäten wieder völlig zum Erliegen.

Ohne feste Strukturen machten Turner und Fußballer 1920 wieder die ersten Gehversuche. Nachdem im gleichen Jahr Prälat Mosterts in Würzburg mit der Gründung der „Deutschen Jugendkraft“ die sporttreibende katholische Jugend unter einem Dach vereinte, entstand 1921 in Frintrop zuerst eine Schlagball- und auf Initiative von Kaplan Rademacher schon bald auch eine Fußball-Mannschaft.

Am 4. Mai 1922 beschloss die Jünglings-Kongregation auf einer Versammlung den jetzigen Vereinsnamen DJK Adler 1910 Essen-Frintrop und nahm im Schlagball den Wettkampfbetrieb auf. Weil sich die Wünsche, auch Fußball spielen zu wollen mehrten, beauftragte man Anton Hardt, die Gründung einer Abteilung vorzubereiten, Durch die Aufnahme einer Anleihe konnten „die Spielgerätschaften für zwei Mannschaften beschafft und die Platzfrage durch Verträge mit dem SV „Union“ Borbeck an der Schlossstrasse für die Fußballer, sowie dem „Frintroper Turnerbund“ an der kath. Schule Frintrop I für die Schlagballer geklärt werden“ (aus der Vorstandssitzung vom 3. Juli 1923, bei der Hans Hardt zum Leiter der Fußball-Abteilung gewählt wurde.).

Ihre ersten Meisterschaftsspiele trugen die zwei Herren-Mannschaften und eine Jugend-Mannschaft am 7. Oktober 1923 jedoch auf dem Platz an der Reckstraße aus, der gegen Zahlung einer Pachtgebühr zusammen mit dem Spielverein „Frintroperhöhe“ benutzt wurde.
Die Zahl der Vereinsmitglieder war am 1.1.1924 bereits auf 85 angestiegen.

Mit der Gründung einer Handball-Abteilung (1926) und einer Turn-Abteilung (1927) erfuhr das sportliche Leben in Frintrop eine weitere wesentliche Bereicherung. Die Fertigstellung der ersten Frintroper Turnhalle an der Reckstraße (hinter der heutigen Altfried-Schule) belebte das Vereinsleben enorm, wovon dank der neuen Halle vor allem die Turner profitierten. Als 1928 auch noch eine Leichtathletik- und Faustball-Abteilung dazu kam, vereinten sich bereits sechs Abteilungen unter dem Dach der DJK Adler 1910 Essen-Frintrop.

Nicht zuletzt wegen der großen Wirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre war die finanzielle Lage jedoch äußerst angespannt. Dies führte dazu, dass der Verein am 16. Februar 1929 den Kirchenvorstand St. Josef um eine längerfristige Anleihe bat.
In dem Antrag ist davon die Rede, dass drei Viertel der inzwischen 200 Mitglieder noch nicht 18 Jahre alt ist. Das monatliche Beitragsaufkommen (zwischen 60 und 15 Pfennig) wurde mit insgesamt 51 Mark nur von 160 Mitgliedern aufgebracht, weil vierzig erwerbslose oder minderbemittelte Mitglieder von einer Zahlung befreit waren. Rechnungen über neue Garnituren der Fußball-Mannschaften und Bälle (350 Mark) sowie Platzmiete (70 Mark) waren noch nicht bezahlt, während außer den Beiträgen nur 20 Mark als Platzeinnahmen auf der Habenseite aufgeführt werden und für die Anschaffung weiterer dringend benötigter Sportgeräte der Turn- und Leichtathletik-Abteilung kein Geld vorhanden sei. Ob und wenn ja in welcher Höhe dem Antrag stattgegeben wurde, ist leider nicht überliefert.

Ein Bericht von der Jahreshauptversammlung vom 17.2.1930 klingt jedoch recht optimistisch und vor allem die Fußballer machten schon bald von sich reden. In der Saison 1931/32 eilte die 1. Mannschaft von Erfolg zu Erfolg. Dem Titelgewinn in der Industrie-Gauklasse folgten die Rhein-Weser-Meisterschaft und die westdeutsche DJK-Meisterschaft. Nach zwei 5:1-Siegen bei DJK BW Lohne und gegen DJK Sulzbach (vor 5.000 Zuschauern in Borbeck auf dem Platz an der Fürstäbtissinstraße) war das Endspiel beim 3. Reichstreffen der DJK im Dortmunder Stadion „Rote Erde“ erreicht. In einem denkwürdigen Finale genügte vor 30.000 Zuschauern gegen DJK Sparta Nürnberg eine 1:0-Führung nicht, denn nach einer Verletzung von Franz Jacobs ging das Spiel in Unterzahl doch 2:5 verloren. Dennoch: Bis heute ein Highlight in der Vereinsgeschichte, zumal der Mannschaft bei der Rückkehr ein triumphaler Empfang in Frintrop bereitet wurde. Eine Wiederholung dieses Erfolges verhinderte 1933 eine 2:3-Niederlage im Endspiel um die Rhein-Weser-Meisterschaft gegen den Nachbarn DJK Tura 09 Borbeck.

Als im Januar 1933 Adolf Hitler an die Macht kam, zogen schnell dunkle Wolken über den konfessionellen Sport, bei der DJK mit einer engen Bindung zur katholischen Kirche, auf. Bereits am 18.2.1934 wurde die DJK im Rheinland verboten, aber in Westfalen fanden Adler-
Mannschaften noch weiterhin sportliche Gegner. Die 1935 verfügte „Gleichschaltung des deutschen Sports“ durch die neuen Machthaber bedeutete jedoch das endgültige Aus und brachte den gesamten Sportbetrieb bei der DJK Adler 1910 Essen-Frintrop zwischen 1935 und 1945 zum Erliegen.

1932 wurde noch damit begonnen, ein von der GHH Oberhausen zur Verfügung gestelltes Grundstück der Schachtanlage „Kattendahl“ von Mitgliedern als Sportplatz herzurichten. Die Mühen in Eigenarbeit waren am Ende aber umsonst. Überliefert ist wohl noch, dass sich die Jugend-Abteilung nach dem DJK-Verbot dem Turnerbund Frintrop anschloss und zwei Mannschaften am Spielbetrieb teilnahmen

Da das „tausendjährige Reich“ der Nationalsozialisten bereits nach zwölf Jahren nur Trümmer und unendliches Leid hinterließ, ruhten bis zum Kriegsende jegliche Vereinsaktivitäten.
Der sportliche Neubeginn wurde durch die schwierigen äußeren Bedingungen in den ersten Nachkriegsjahren sehr erschwert. Zumindest der Wunsch, wieder Fußball spielen zu können, war jedoch übermächtig. Ehe am 3. März 1949 nach der Wiederbegründung der Deutschen Jugendkraft der alte Name DJK Adler 1910 Essen-Frintrop wieder angenommen wurde, feierte die Fußball-Abteilung als „Sportverein Adler Frintrop“ bzw, „Spielvereinigung Dellwig-Frintrop“ bereits beachtliche Erfolge und im Protokoll der Jahreshauptversammlung 1950 ist bereits von 250 Mitgliedern die Rede

Dazu entstanden weitere Abteilungen im Handball, der Leichtathletik und Boxen, die sich jedoch keiner langen Lebensdauer erfreuen konnten. Auf Initiative von Kaplan Fritz Stöckmann, der sich zuvor schon für die Wiederbegründung des Vereins unter seinem alten Namen sehr engagiert hatte, wurde 1949 auch eine Tischtennis-Abteilung ins Leben gerufen. Unter der Leitung von Ludwig Weber entwickelte sie sich schon bald zu einem zweiten dauerhaften sportlichen und erfolgreichen Standbein des Vereins, vor allem nachdem 1954 die Fusion mit DJK Jugendsport Frintrop erfolgte.

In der Folgezeit konnte das sportliche Angebot noch mehr ausgeweitet werden. Peter Bung war 1956 der „Motor“ für eine Judo-Abteilung, die sich 1965 jedoch selbständig machte und im vergangenen Jahr als DJK JC Frintrop 1959 ihr fünfzigjähriges Bestehen feierte.

Beeindruckt vom spektakulären Gastspiel der „Harlem Globetrotters“ in der Dubois-Arena, reifte beim Fußballer Willibald Schoppen der Gedanke, dem Basketball, einer zuvor wenig bekannten Sportart, bei DJK Adler 1910 Essen-Frintrop eine Heimstatt zu geben. Die Idee setzte er 1961
in die Tat um, nachdem mit der Fertigstellung der Halle am Wasserturm (1958) und später der Schulturnhalle Lohstraße auch die notwendigen räumlichen Voraussetzungen vorhanden waren.
Ein Traum blieb jedoch der Bau einer großen Sporthalle in Frintrop, obwohl das Projekt 1992 schon kurz vor dem ersten Spatenstich stand, dann aber doch „zu den Akten gelegt wurde“.
Unter dieser Entscheidung leiden die Basketballer bis heute, weil Wettkämpfe auf Verbandsebene in den (zu kleinen) Schulturnhallen nicht ausgetragen werden dürfen, sondern „auswärts“ in Altendorf (Sporthalle Bockmühle) stattfinden müssen.

Die Turn-Abteilung, 1910 bei der Vereinsgründung das „Kernstück“, zwischenzeitlich jedoch mehrfach wieder aufgelöst, erlebte 1962 als Gymnastik-Abteilung für Damen und einer angeschlossenen „Mutter-Kind- und Kindergruppe“ eine neuerliche Renaissance. Nach einigen Jahren, in denen der Sportbetrieb wieder zum Erliegen kam, werden derzeit versucht, die Abteilung auch ohne Anbindung an einen Fachverband wieder zu beleben.

Als jüngstes „Adler-Kind“ wurde 1985 die Tennis-Abteilung aus der Taufe gehoben, nachdem der Gerscheder SV auf Baurechte für vier Tennis-Plätze mit einem Clubheim an der Bezirkssportanlage verzichtet hatte. Die sowohl ideelle, als auch materielle Unterstützung durch den damaligen und 1998 verstorbenen Vorsitzenden Josef Theisen ermöglichte schon einige Jahre später mit viel Eigenarbeit und dank des „Bauherrn“ Hermann Bringenberg die Fertigstellung der schmucken Anlage.

Ein weiterer lange geträumter Wunsch ging 2005 in Erfüllung. In unmittelbarer Nähe zum (unteren) Sportplatz, der ein Jahr später mit Kunstrasen ausgestattet wurde, entstand das Fußball-Jugendheim mit einem angeschlossenen Geschäftszimmer für den Gesamtverein.

Im Jubiläumsjahr bestehen bei der DJK Adler 1910 Essen-Frintrop interne Strukturen, die sich von vielen anderen Vereinen unterscheiden. Diese sind durch eine Art historischer Entwicklung begründet und betreffen sowohl die organisatorische, als auch finanzielle absolute Eigenständigkeit aller Abteilungen, Sozusagen „auf eigenen Beinen“ stehen zu müssen, war für diese von Anfang an eine Selbstverständlichkeit. Folglich wird auch kein Vereinsbeitrag erhoben, sondern nur Abteilungs-Beiträge.
Ungewöhnlich ist ebenfalls, dass es einen kompletten Vorstand für den „Gesamtverein“ – diese Bezeichnung ist inzwischen die Klammer zwischen allen Abteilungen – erst seit 1977 gibt. Der heutige Ehrenvorsitzende Ludwig Weber weiß sich zu erinnern, dass er sich bis dahin einmal im Jahr mit dem inoffiziell als Geschäftsführer amtierenden Werner Lang zusammengesetzt und die Abrechnung für den Landessportbund gemacht hat.
Die ständig gestiegenen administrativen Aufgaben und Anforderungen waren dann für Josef Theisen bei dessen Amtsantritt der Anlass, die anfallenden Arbeiten auf die Schultern eines kompletten Vorstandes zu verteilen. In der jetzigen Zusammensetzung ist dieser nun herausgefordert, das einhundertjährige Vereinsschiff weiter auf Kurs zu halten. Glückauf dazu!

Basketball – Fußball – Gymnastik – Tennis – Tischtennis